… zu früh reißt die Erde das ursprünglich für 2100 postulierte »Klimaziel«. Und erstens wäre selbst dieses Ziel eine zu schnelle Klimaänderung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen, und zweitens wird die angestoßene Entwicklung nicht zum Ende des Jahrhunderts plötzlich stoppen.
2024 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, um 1,6 Grad wärmer als zu vorindustrieller Zeit. Diese Superlativ trifft erst recht auf Deutschland zu, nach dem bereits bislang heißesten Jahr 2023 mit 10,6 °C Durchschnittstemperatur sprang 2024 gleich auf 10,9 °C. 2025 scheint dem Trend zu folgen, es gab im Winter und Vorfrühling weniger Frosttage als üblich und weniger Niederschlag.
Klima- und Artenschutz
Überregionale Zusammenhänge, kleine Auswahl naturwissenschaftlicher Nachrichten zu den Problemen unserer Welt
Baumkataster Berlin
Gelegentlich erreichen uns Fragen zu Baumarten. Dafür gibt es eine vorbildliche Datenbank. Im sogenannten Berliner Baumkataster darf jeder auf einer Landkarte Angaben zu über 800 000 Bäumen erfahren. Die Straßenbäume sind nahezu vollständig erfasst. Bei Wäldern und Parks ist das noch aufwendiger. Und natürlich kann man diesem Umfang nicht auf tagesaktuellem Stand halten. Der dekorative Fruchtschmuck in der Krefelder Straße beispielsweise stammt vom Apfeldorn.

Phänologische Jahreszeiten

Ein Klimarekord jagt den nächsten, dramatische Szenarien drohen. Die meteorologischen (Beginn am 1. 3., 1. 6., 1. 9., 1. 12.) und kalendarischen (Beginn am 20. 3., 21. 6., 23. 9., 21. 12.) Jahreszeiten verschieben sich dabei nicht, wohl aber die phänologischen.
- Vorfrühling: Beginn mit Blüte von Hasel und Schneeglöckchen, erste Aktivitäten von Hummeln und Maulwürfen, Stare kehren zurück, Ende mit Blüte von Salweide und Erle.
- Erstfrühling: Blüte von Buschwindröschen und Forsythie, Laubentfaltung bei Beerensträuchern sowie Birken und Buchen, Schwalben kehren zurück.
- Vollfrühling: Blüte von Apfel und Rosskastanie, Laubentfaltung bei Eichen, Kuckucke rufen.
- Frühsommer: Blüte von Holunder und Robinie, von Wiesen und Getreidefeldern, erste Heumahd, die erste Singvogel-Brut verlässt das Nest.
- Hochsommer: Lindenblüte, Beerenernte, Frösche quaken.
- Spätsommer: Heideblüte, Getreideernte und zweite Heumahd.
- Frühherbst: Reife von Holunder und Rosskastanie, Höhepunkt der Obsternte, Schwalben ziehen weg.
- Vollherbst: Kartoffeln und Walnüsse, allgemeine Laubverfärbung, Stare ziehen weg.
- Spätherbst: Zeit des Laubfalls und Abschluss der Vegetationszeit, Schlehen und Hagebutten sind nach dem ersten Frost vollreif.
- Winter: Periode zwischen Herbst und Frühling.
Bilanz der Säugetier-Biomasse
Wie weit sich unsere Welt von einem natürlichen Zustand entfernt hat, belegt jetzt auch eine Studie zur Biomasse der Säugetiere. Dort werden folgende Zahlen genannt:
- alle wilden Säugetiere an Land wiegen insgesamt etwa 20 Millionen Tonnen,
- alle wilden Säugetiere im Meer (Wale, Robben, …) 40 Millionen Tonnen,
- alle derzeit lebenden Menschen 390 Millionen Tonnen,
- alle als Haustiere gehaltenen Säugetiere 630 Millionen Tonnen (davon Rinder 420).
Also die Rindermasse ist siebenmal so groß wie die wilder Säugetiere an Land und im Meer!
Wir haben Agrarindustrie satt!
Seit 2011 findet jeweils zum Jahresbeginn in Berlin eine Großdemonstration unter dem Motto “Wir haben es satt!” statt. Der Trägerkreis besteht aktuell aus 59 Organisationen (+ Förderern + Unterstützern). Die Wachstumslogik und politische Fehlentscheidungen sind verantwortlich für das Überhitzen des Planeten und das dramatische Artensterben. Deswegen kämpfen wir weiter für die sozial-ökologische Transformation. Infos zur Demo am 21. 1. 2023 stehen auf der Homepage der Veranstalter.
Bienen und Bauern retten!
Endspurt bei der EU-Petition “Bienen und Bauern retten” (hier klicken): Das Artensterben nimmt immer bedrohlicherer Ausmaße an, daher fordern wir von der EU eine ökologische Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide. Wenn bis zum 30. 9. 2021 über eine Million Unterschriften vorliegen, muss die EU-Kommission Stellung dazu nehmen.
Extremhitze in Nordwestamerika
Ziemlich schnell ist eine wissenschaftliche Studie “Rapid attribution analysis of theextraordinary heatwave on the Pacific Coast of the US and Canada” über die Extremhitze in Nordwestamerika im letzten Monat erschienen, Vergleiche mit den Waldbränden in Sibirien und Australien im vergangenen Jahr bieten sich an. Die Autoren rufen dazu auf, Notfallpläne zu überarbeiten und Frühwarnsysteme zu verbessern.
Klimarekorde 2020
Es mag etwas im Kontrast zum derzeit kühlen Frühling in Deutschland stehen, aber kürzlich veröffentlichte der Europäische Klimawandeldienst Copernicus (C3S) eine übersichtliche Datensammlung über das Jahr 2020. Demnach erlebte Europa eben den heißesten Herbst und den heißesten Winter seit Beginn entsprechender Messungen, besonders heftig fiel die Abweichung aber im Norden Sibiriens aus. Gefährlich, denn der Permafrostboden dort stellt ein Kippelement bei der weiteren Klimaentwicklung dar.
Entwaldung und Epidemien
Und gleich noch eine weitere Studie erscheint dieser Tage, sie belegt den Zusammenhang von Abholzung und Infektionskrankheiten. Das gilt vor allem, aber nicht nur in den Tropen. Bei uns betrifft das beispielsweise die Lyme-Borreliose, welche durch Monokulturen offenbar begünstigt wird.
Naturgeräusche tun der Seele gut
Ab und zu gibt es wissenschaftliche Studien, die eigentlich zu keinen neuen Erkenntnissen führen, sondern bestätigen, was wir schon längst spüren. Hier vorab der Link zum Artikel “A synthesis of health benefits of natural sounds and their distribution in national parks”, welcher im nächsten PNAS-Heft erscheinen wird, passend zum Frühlingserwachen.